Besichtigung der Hackschnitzelanlage des Bodelschwingh-Zentrums
Am 29.Mai finden sich der Erdkunde Leistungskurs unter der Leitung von Herrn Ohliger auf dem Gelände des Bodelschwingh-Zentrums in Meisenheim zusammen. Ziel ist es, die Hackschnitzelheizung der Einrichtung zu besichtigen.
Herr B. Bleisinger, ein Mitarbeiter der Firma „Holzmichel“ aus Abtweiler, wird uns durch die Hackschnitzelanlage führen und die einzelnen Funktionen der Geräte genauer erklären. Zudem informiert er uns über Hackschnitzel und deren Energieeffizienz.
2006 ist im Bodelschwingh-Zentrum der Entschluss gefallen, die zuvor durch Öl betriebene Heizung mit einer Hackschnitzelanlage zu ergänzen. 2007 wurde dann, unter den Investitionskosten von 805.000 €, mit dem Bau begonnen. Die Holzfeuerung dient zur ganzjährigen Grund– und Mittellastwärmeerzeugung.
Zusätzlich vorhandene Ölkessel dienen zur Absicherung der Wärmeerzeugung, ebenso wie der Abdeckung der winterlichen Spitzenlast.
Die Hackschnitzel werden ausschließlich aus Holz hergestellt, welches in der Landschaftspflege anfällt. Zu diesem gehören Büsche, Äste, Weihnachtsbäume und anderes Todholzmaterial. Der positive Aspekt der Meisenheimer Hackschnitzelanlage liegt darin, dass Hackschnitzel, welche einen Wassergehalt von 45-60 % enthalten, direkt und ohne Zwischenlagerung bzw. Trocknung verarbeitet werden können. Es entstehen nur geringe Energiekosten. Diese Art der Heizung ist somit höchst effizient und kostengünstig. Falls das Holz zu trocken sein sollte, wird Wasser eingespritzt. Weitere Vorteile der Heizung mit Biomasse sind die Unabhängigkeit von Energieimporten und begrenzten Rohstoffen und die Umweltentlastung durch CO2-neutrale Wärmeerzeugung.
Hackschnitzelanlagen gelten als umweltneutral, da die Menge an freigesetztem, CO2 genau der Menge CO2 entspricht die beim Wachstum der Hölzer in diese eingebunden wurden. Die Fahrzeuge, die zur, nicht immer risikofreien, Gewinnung der Holzschnitzel an Straßenrändern oder Böschungen dienen, werden zum jetzigen Zeitpunkt noch mit normalem Benzin betankt. Jedoch besteht der Plan einer Umrüstung der Maschinen auf umweltschonende Biotreibstoffe vorzunehmen.
Die Hackschnitzelanlage verbrennt jährlich 9.500 - 10.000 Schuttkubikmeter Holzschnitzel welche überwiegend aus Wald- und Landschaftspflege aus der Region gewonnen werden.
Das Silo mit einem Fassungsvermögen von 200 m³ ist meistens nur zu 50 % gefüllt, da eine mögliche Alterung des Materials verhindert werden sollte. Es muss nach 3-4 Monaten aufgebraucht sein. Der tägliche Verbrauch an Hackschnitzel liegt bei ca. 28 m³ bis Maximum 35 m³ pro Tag. Der Preis wird durch Qualität und den Wassergehalt der Hackschnitzel definiert.
Abgase die bei der Holzverbrennung entstehen enthalten Staub. Diese feinen Staubpartikel werden durch Abgasreinigungstechniken zurückgehalten .Die Meisenheimer Anlage ist mit einer Elektrofilteranlage ausgestattet. Die Rußteilchen werden gesammelt und später in der Zementherstellung verarbeitet. In einem so genannten „Big-Pack“ welcher ein Fassungsvermögen von 200-300 kg besitzt wird in innerhalb von 2-3 Wochen gefüllt.
Mit einer Wärmeleistung von 850 kW stellt die Anlage 30 % der maximal erforderlichen Wärmeleistung und 70 % der Wärmemenge, die im Zentrum benötigt wird. Die große Treppenrostfeuerungsanlage gilt als sehr langlebig und besitzt hohe Brennstofftoleranz.
Nach Angaben von Herrn B. ist die Anlage wenig störungsanfällig, wird jedoch 2mal wöchentlich gewartet. Hackschnitzelheizungen sind in der Anschaffung deutlich teurer als herkömmliche Öl-, Pellet-, oder Gasheizanlagen. Allerdings sind die Brennstoffkosten sehr viel geringer als bei Ölheizanlagen. Hydraulische Schubsysteme kommen zum Einsatz. Wir betrachten ebenso den Wärmespeicher der Anlage mit einem Fassungsvermögen von 50.000 Litern.
Wir besichtigen das Innere der Anlage, wo sich der Heizkessel und die Steuerung befinden. Der 850 kW Kessel verbraucht pro Monat zwischen 250 mW und 700 mW. Ein Vorteil bei der Anlage liegt darin, so der Mitarbeiter, dass sie nur nach Bedarf arbeitet und die überschüssige Wärme in einem Zwischenspeicher gespeichert wird und somit auch noch für den späteren Bedarf zur Verfügung steht. Die Temperaturen im Heizkessel betragen im Primärbereich 600-800°C in der Sekundären Zone hingegen 700-950°C.Der Verbrennungskessel ist mit Scharmottsteinen ausgekleidet um den hohen Temperaturen stand zuhalten. Das Material wird mit einem Schneckenfördersystem in den Ofen gebracht.
Zum Schluss der Führung haben wir noch einmal die Möglichkeit dem Mitarbeiter Fragen, die wir uns schon im Vorfeld überlegt haben oder die uns während der Besichtigung eingefallen sind, zu stellen. Zudem hat der Mitarbeiter noch eine Mappe mit Bildern und Info-Material für uns dabei.
Wir erfahren dass der Familienbetrieb „Holzmichel“ in Bad Sobernheim ein Lager für Holzhackschnitzel mit 3.500 bis 4000 Kubikmeter besitzt. In der Hackschnitzelherstellung gelten bestimmte Regeln, so darf nur in den Wintermonaten bis einschließlich dem 28. Februar geholzt werden, um die Natur, die knospenden und austreibenden Bäume und die Brut der Waldbewohner nicht zu stören. Zudem muss die Menge der Bäume, die an einem Tag gefällt werden, auch an einem Tag verarbeitet werden.
Der Betrieb steht zurzeit in Kooperation mit anderen Firmen und verfolgt den Wunsch der Expansion.
Herr Bleisinger hat auf jede Frage die passende Antwort und sämtliche Unklarheiten sind geklärt. Ebenfalls kann er uns von der Effizienz, der Umweltverträglichkeit, der Energiekosteneinsparung und Energieunabhängigkeit durch die Heizung mit Holzhackschnitzeln überzeugen.
Zum Abschied (also gegen 12.00 Uhr), tauschen wir unsere Eindrücke aus, machen noch ein Gruppenfoto als kleine Erinnerung an den Besuch und begeben uns zurück auf den Weg zur Schule.

PDF











